Die Pflegegrade

Im Juni 2015 wurde der Gesetzesentwurf zu den neuen Pflegegraden fertiggestellt, und ist Teil des neuen Pflegestärkungsgesetzes.

Die Einführung der Pflegegrade ist Teil 2 des Pflegestärkungsgesetzes, der bereits in Kraft getretene Teil 1 umfasst dagegen dieAnpassungen und Verbesserungen der Leistungen.

Die neuen 5-stufigen Pflegegrade, auch als Bedarfsgrade benannt, sollen die bisherigen Pflegestufen 0, I, II, III ablösen. Hierdurch verspricht sich der Gesetzgeber eine bessere und gerechtere Einstufung von Pflegebedürftigen, insbesondere die Kombination von körperlicher Pflegebedürftigkeit mit geistiger Beeinträchtigung, häufig Demenz, soll somit besser abbildbar und zu berücksichtigen sein.

*Diese neue Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung ist noch nicht verabschiedet, mit Sicherheit wird diese aber spätestens ab 2017 eingeführt.

Pflegestufen werden in Pflegegrade überführt - Die neuen Einstufungen in der Übersicht:

Bisherige Pflegestufen 0 bis 3 - bzw. 0, I, II, III Die neuen Pflegegrade ab 2017 *
Pflegestufe 0 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. durch Demenz) Pflegegrad 1
Pflegestufe 0 +  (erhöhter Betreuungsaufwand Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 Pflegegrad 2
Pflegestufe 1+ EA (zusätzlich eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. durch Demenz) Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 Pflegegrad 3
Pflegestufe 2+ EA (zusätzlich eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. durch Demenz) Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 Pflegegrad 4
Pflegestufe 3+ EA (zusätzlich eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. durch Demenz) Pflegegrad 5
Härtefall Pflegegrad 5

Wie aus der Tabelle mit den neuen Pflegegraden ersichtlich ist, soll eine bessere, d.h. gerechtere Einstufung der Pflegebedürftigen möglich sein.

So wird zunächst einmal aus der bisherigen Pflegestufe 0 , welche schon durch die "Null" eine kaum vorhandene Pflegebedürftigkeit suggeriert, ein vollwertiger Pflegegrad, Pflegegrad1.

Weiterhin wird für Versicherte die bisher zwischen zwei Pflegestufen standen eine Besserstellung erreicht.  So wird ein pflegebedürftiger Versicherter mit zusätzlichen Einschränkungen in seiner Alltagskompetenz direkt in den nächst höheren Pflegegrad eingestuft.

So wird eine bisherige Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz direkt zu einem Pflegegrad 3, wo bisher nur ein (durch Hürden in der Einstufung durch Begutachtung) schwieriger Wechsel in die nächst höhere Pflegestufe 2 möglich war.

 

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Die Ermittelung des Pflegegrades (Bedarfsgrad) ist in mehrere Abschnitte unterteilt und fällt wesentlich umfangreicher aus als die Bestimmung der bisherigen Pflegestufen.

Dieser detaillierte Prozess wird unter dem Namen NBA (Neues BegutachtungsAssesment) geführt.

Das NBA gliedert sich in vier Teilbereiche:

  • Die Informationserfassung mit den Angaben zur pflegebedürftigen Person, welche Einschränkungen gegeben sind, welche Personen für eine Pflege zur Verfügung stehen und das allgemeine Umfeld des Pflegebedürftigen.
  • Erstellung eines Befundes, bzw. Gutachtens wie bisher durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen)
  • Bewertung der tatsächlichen Pflegebedürftigkeit - Ermittlung des Pflegegrades 
  • Ergebnis und Empfehlung anhand des ermittelten Pflegegrades 

 

Was ist der Unterschied zur bisherigen Einstufung in eine Pflegestufe durch den medizinischen Dienst MDK?

Kurz gesagt, bisher wurde durch den MDK geprüft, welche Tätigkeiten der Pflegebedürftige nicht mehr ausführen kann, bzw. welche Fähigkeiten er nicht mehr hat. Also eine Negativprüfung, anhand derer dann der Unterstützungsbedarf in Minuten gemessen und daraus eine Pflegestufe ermittelt wird.

Nun wird durch das NBA gegenteilig verfahren, es wird geprüft was der Pflegebedürftige (noch) kann. Hierbei werden 5 Module berücksichtigt und für jedes Modul entsprechende Punkte vergeben:

Ermittlung des Pflegegrades - Module und Punkte

Die Module des Neuen BegutachtungsAssesment (NBA) erfassen alle wesentlichen Bereiche des Lebens:

➞1. Mobilität

➞2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

➞3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

➞4. Selbstversorgung (Alltagsverrichtungen)

➞5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen

➞6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

 Die Punkte und die Punktevergabe mit Gewichtung

Für die oben genannten Kriterien bzw. Module sind insgesamt 100 Punkte zu vergeben. Je höher der Bedarf ist, desto mehr Punkte werden pro Modul vergeben. Die Punkte werden für die Gesamtpunktzahl unterschieldich gewichtet.

Die Summe der Punkte führt zur Bestimmung des Grades der Pflegebedürftigkeit - Pflegegrad:

0 bis 9 Punkte: Keine Pflegebedürftigkeit

10 bis 29 Punkte:   Pflegegrad 1

30 bis 49 Punkte:   Pflegegrad 2

50 bis 69 Punkte:   Pflegegrad 3

70 bis 100 Punkte: Pflegegrad 4

Kommen zum ermitteltem Pflegegrad 4 noch besondere Umstände hinzu (z.B. zusätzliche Demenz oder ein Härtefall), so ergibt dies den Pflegegrad 5 (häufiger Härtefall, auch zukünftig nicht häufiger als in 0,1% der Fälle zu erwarten)

 

Welche Voraussetzungen müssen für die Vergabe eines Pflegegrades erfüllt sein?

Gerade für Angehörige ist es schon im Vorfeld der Beantragung einer Pflegestufe, bzw. jetzt Pflegegrad wichtig zu wissen, welche Voraussetzungen überhaupt erfüllt sein müssen.

Nach wie vor ist der Hauptfaktor für eine Beurteilung des Pflegeaufwandes die Zeit die für die Pflege benötigt wird.

In der folgenden Tabelle finden Sie Richtwerte, an denen sich auch bei einer späteren Begutachtung der MDK orientiert:

 

Pflegegrad

Grundpflege

Psychosoziale Hilfe

Nächtliche Hilfe

Anwesenheit am Tag

1

27 - 60 Min.

gelegentlich

nein

nein

2

30 - 127 Min.

bis 1 Mal

bis zu 1 Mal

nein

2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

8 - 58 Min.

2 bis 12 Mal

nein

stundenweise

3

131 - 278 Min.

2 bis 6 Mal

bis zu 2 Mal

2 bis 6 Mal

3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

8 - 74 Min.

6 Mal bis ständig

bis zu 2 Mal

6 bis 12 Stunden

4

183 bis 300 Min.

2 bis 6 Mal

2 bis 3 Mal

6 bis 12 Stunden

4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

128 bis 250 Min.

7 bis mehr als 12 Mal

1 bis 6 Mal

ständig

5 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

245 bis 279 Min.

mehr als 12 Mal

3 Mal

ständig 

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